Fälschungen von Whisky
Whisky & Fälschungen – Wie sicher ist dein Dram?
Ein Bericht über Tricks, Technologien und Wahrheiten rund um gefälschte Whiskys – für alle, die lieber echten Genuss als teure Überraschungen mögen.
TL;DR – Die Essenz, ohne den Dram
- 💰 Whisky-Fälschungen sind real – selbst im absoluten Luxussegment.
- 🧴 Fälscher nutzen originale Flaschen und Verpackungen; oft ist die Hülle wertvoller als der Inhalt.
- 👀 Laien können Warnzeichen erkennen: unpassender Korken, frisches Etikett auf alter Flasche, falsche Details, merkwürdiger Füllstand/Farbe, unrealistisch günstiger Preis.
- 🧪 Absolute Sicherheit bieten nur teure Laboranalysen (Gas-Chromatographie, C-14, Isotopenanalyse), sinnvoll vor allem bei sehr teuren Sammlerflaschen.
- 📡 Hightech-Lösungen wie tragbare Scanner (z. B. Eluceda E-Sens) klingen spannend, sind aber bislang kein praxistauglicher Standard.
- ⚒️ Betroffen sind vor allem alte, limitierte und hochpreisige Whiskys auf dem Zweitmarkt – nicht der Supermarkt.
- ⚠️ Wer auf einen Fake hereinfällt: nicht weiterverkaufen (strafbar), lieber trinken, entsorgen oder offen darüber berichten, um andere zu warnen.
- 📜 Fazit: Herkunft und Dokumentation sind oft wichtiger als der Whisky selbst. Und manche Fälschungen sind so schlecht, dass aufmerksames Lesen des Etiketts völlig reicht.
1. Ein echter Skandal – Luxus & Enttäuschung
Es ist zwar schon eine Weile her, aber als Beispiel dafür, wie absurd Whisky‑Fälschungen werden können, ist diese Geschichte einfach zu gut, um nicht erzählt zu werden:
Diverse internationale Medienberichte aus 2017 berichteten über einen Fall im Hotel Waldhaus in St. Moritz der für Aufsehen sorgte: Ein chinesischer Gast bestellte ein Glas Whisky (Macallan 1878) für 9.999 Franken, (zur damaligen Zeit ca. 9.400 EUR) und trank ihn genüsslich.

Als die Presse davon berichtete (u.a. mit diesem Bild) wurde ein Whisky-Experte in Schottland misstrauisch und nahm Kontakt zum Hoteldirektor auf. Es stellte sich tatsächlich heraus, dass die Flasche gefälscht war (siehe auch 3. Wie erkennt ein Laie eine Fälschung). Eine Laboruntersuchung ergab später, dass es sich nicht einmal um einen Single Malt handelte, sondern um einen Blend aus rund 60 % Malt- und 40 % Grain-Whisky.
Der Betrag wurde erstattet, doch der Prestige-Schaden war natürlich schwerer zu verdauen als der Dram selbst.
Dieser Vorfall zeigt: Selbst dort, wo Luxus und Vertrauen praktisch zur Raumluft gehören, ist man vor Fälschungen nicht völlig gefeit.
2. Wie Fälscher arbeiten
Die Masche ist simpel, aber effektiv: Fälscher kaufen leere Originalflaschen teurer Abfüllungen, füllen sie mit günstigem Alkohol oder Mischungen und/oder versehen sie mit manipulierten Etiketten, Korken oder Verschlüssen.

Wie leicht man damit Menschen täuschen kann, habe ich selbst erlebt:
Bei einem meiner ersten Tastings durfte ich einen Ladyburn 1973 probieren
– damals schon rund 900 Euro die Flasche – und konnte die leere Flasche samt Holzbox sogar mit nach Hause nehmen.
Auf dem Bild zu sehen. Und nein: Ich habe keinen Billigwhisky eingefüllt, sondern Wasser mit Zuckerkulör.
Aber ich hätte das Set problemlos für einen vierstelligen Betrag verkaufen können.
Der Whisky war so selten, dass kaum jemand wusste, wie er überhaupt schmeckt.
Der Erfolg basiert auf einer charmanten Ironie: Bei alten oder limitierten Abfüllungen ist die Verpackung oft wertvoller als der Inhalt.
3. Wie erkennt ein Laie eine Fälschung?
Bevor wir zu Hightech und Laboranalysen kommen, erst einmal das Wichtigste für den Alltag:
Korken & Verschluss:
Sitzt die Verschlusskappe vielleicht zu locker? Ist die Flasche viele Jahre unberührt, liegt die Kappe normalerweise fest am Glas an!
Riecht der Korken komisch
oder wirkt er zu frisch
für einen alten Whisky?
Bei wirklich alten Flaschen bricht der Korken gerne beim ersten Öffnen –
zwar ärgerlich, aber paradox genug: eher ein gutes Zeichen.
Ein alter Korken ohne Patina
: eher ein schlechtes Zeichen!
Etikett und Papier:
Druckqualität,
Fonts
und Details verraten oft mehr als man denkt.
Ist die Flasche verstaubt und zerkratzt, das Etikett aber (fast) druckfrisch? Hmmm...
Eine kurze Recherche kann helfen:
Passen Jahrgang und Angaben auf dem Etikett zusammen oder erzählt das Etikett eine kreative Nebenstory?
Ein Beispiel für Etikett-Auffälligkeiten: der Macallan 1878 aus "1. Ein echter Skandal..." aufklappen:
Ein paar Details springen ins Auge:

Und mal im Ernst:
Guaranteed absolutely pure...?
Je emphatischer ein Etikett Reinheit beteuert, desto skeptischer sollte man werden.

Macallan and Talisker Distilleries Ltd.hat es nie gegeben.
Füllstand & Farbe:
Ungewöhnlich hohe oder niedrige Füllstände in der Flasche oder seltsame Farbtöne des Whiskys sind Warnsignale.
Und das Einfachste:
Ist das Angebot zu gut, um wahr zu sein, dann ist es das meist auch –
vor allem bei Whiskys, die sonst niemand zufällig
günstig abgibt.
Diese Methoden helfen – aber sie ersetzen keine Expertise. Manche Fälschungen sind so gut, dass selbst Profis zweimal hinsehen müssen. Je teurer und exklusiver ein Whisky erscheint, desto geringer ist paradoxerweise oft die Skepsis – ein klassischer Erwartungseffekt.
4. Profimethoden zur Analyse
Wenn es ernst wird, greifen Experten zu Verfahren, die weit über den prüfenden Blick hinausgehen:
- Gaschromatographie: Trennt chemische Komponenten und zeigt Unterschiede im Molekülprofil.
- Isotopenanalyse / C-14: Bestimmt Alter und Herkunft des Ethanols.
- Spektroskopie & chemische Marker: Erlauben feinste Unterscheidungen zwischen Original und Kopie.

Diese Verfahren sind teuer und zeitaufwendig – aber zuverlässig.
Gordon Cook, Professor für Umweltgeochemie in Glasgow, führte solche Tests bereits häufig im Auftrag
von Auktionshäusern oder Destillen durch - für rund 400 Dollar pro Test
(gelesen in einem
2018 erschienenen Artikel
eines international führenden Luxus-Lifestyle-Magazins).
Für Flaschen im fünf- bis sechsstelligen Bereich kann das aber sinnvoll sein –
für alle Flaschen in meinem Whisky-Schrank eher ein Fall von zu viel des Guten
.
5. Hightech-Vision: Eluceda E-Sens
Ein besonders spannender Ansatz stammt von der britischen Firma Eluceda Ltd.:
Dort wurde ein tragbares Gerät namens E-Sens entwickelt,
das einen Whisky anhand seiner elektrochemischen Signatur
analysieren soll.
Bei Tests reagiert das Gerät auf molekulare Muster im Whisky, erzeugt ein digitales Fingerprint
und vergleicht es mit einer Datenbank bekannter Originalproben.

Dieser Ansatz klingt nach moderner Hightech-Authentifizierung
– vergleichbar mit einem elektronischen Geschmacksscan
– wurde aber bereits in 2021 (!)
im Rahmen von Produktankündigungen, Prototypvorführungen und Konferenzpräsentationen beschrieben.
Der kommerzielle Einsatz und die praktische Nutzung sind bislang - selbst nach 5 Jahren -
nicht dokumentiert.
6. Für wen ist das Thema relevant?
Die Frage ist berechtigt: Ab welchem Preis lohnt sich solch ein aufwendiger Test? Für Whiskys unter 500 €? Vermutlich nicht. Fälschungen betreffen vor allem:
- alte, limitierte oder sammelwürdige Abfüllungen
- Whiskys mit fünfstelligen Preisen
- Auktionen und Zweitmarkt-Handel
Für Hobby-Geniesser ist der Aufwand meist überdimensioniert.
Relevant wird das Thema für Sammler, Händler und Investoren.
Gefälscht werden fast nie Alltagsabfüllungen.
Ziel sind Marken, deren Name allein schon Vertrauen erzeugt – unabhängig vom Inhalt.
🎯 Die meisten Fälschungen zielen nicht auf Supermärkte, sondern auf den Zweitmarkt.
7. Ich bin auf einen Fake hereingefallen – was nun?
Pragmatische Antwort:
Wegschütten muss nicht zwingend sein - es sei denn, er schmeckt einfach nicht. Gesundheitlich ist ein solcher Whisky in der Regel unproblematisch – es handelt sich in der regel um handelsüblichen Alkohol - nicht um Gift.
Die ehrliche Antwort:
Wer ihn trinkt, vernichtet ihn am effektivsten. Ob alleine, mit guten Freunden oder im Rahmen einer Blindverkostung mit offenem Ausgang, bleibt eine Frage des persönlichen Humors.
Weiterverkaufen?
Bloss nicht!
Es handelt sich hier um gefälschte Ware - und deren Verkauf ist strafbar!
Wer sich traut (sich evtl. zum Deppen zu machen): publizieren!
Es kann anderen Geniessern helfen, zu wissen:
- Herkunft: Woher kam dieser Fake-Whisky? → Warnung vor dem betreffenden Verkäufer.
- Erscheinungsbild: Bild veröffentlichen: Etikett, Flasche, Verschluss.
- Preisniveau: In welchem Segment wurde er angeboten?
Als Sammlerstück oder Wertanlage taugt eine Fälschung allerdings nicht – als Erfahrung hingegen schon.
8. Fazit
Whisky ist mehr als ein Getränk – er steht für Geschichte, Kultur und Vertrauen.
Fälschungen bedrohen genau diese Werte.
Während einfache Checks helfen, bieten nur wissenschaftliche Methoden echte Sicherheit.
Ironischerweise ist bei sehr teuren Whiskys oft nicht der Whisky selbst der wichtigste Beweis –
sondern seine dokumentierte Herkunft:
Rechnungen, Auktionskataloge oder belegbare Vorbesitzer.
Hightech-Ansätze wie der E‑Sens sind spannend, aber noch keine verlässlichen Alltagshelfer.
Und ich persönlich bin gespannt, wann (oder sollte ich sagen: ob) das Gerät tatsächlich im Handel landet.
9. Nach so viel Ernsthaftigkeit zum Schluss ein wenig Humor:
Nicht immer macht man es uns SO leicht!
Sezieren wir das Etikett einmal von oben nach unten:
- 🎨 Das Wappen oben im Etikett erinnert eher an 80er‑Jahre‑Arcadespiele als an das Wappen eines Chivas-Etiketts – Pixelbrei trifft Heraldik.
- 🧪
Chefas Rigal
– die phonetikoptimierte Billig‑Dimension von Chivas Regal, als hätte jemand den Markennamen durchs Telefon einem Menschen durchgegeben, der kein Englisch kann. - ⏳ 81 Jahre alt – wohlgemerkt: bei Blends der JÜNGSTE enthaltene Whisky! Kann das sein, dass der Mann am Telefon einen 18-jährigen haben wollte, "Eins - Acht" sagte, und man in arabischen Ländern von rechts nach links schreibt?
- 🏜️
Made in Egypt
– zum Zweiten... beim Dritten gibt's den Zuschlag. - 🍹
Produce of Egypt
– also entwederProduct of Egypt
- oderProduced in Egypt
. - 🥴 Alkoholangaben im Dreierpack (rechts unten): 40% vol und 40% alc/vol sind identisch, aber 40GL (Grad Gay Lussac) ist minimal unterschiedlich dazu (weil gemessen bei 15 °C statt 20 °C).
- 📏
e
-Symbol ohne Mengenangabe – ein Etikett, das sagt:Wir schätzen irgendwas, aber sagen dir nicht was.
Zur Erklärung: Das "e" steht für " estimated Die abgefüllte Menge entspricht den EU‑Vorgaben für Fertigpackungen. Der Hersteller garantiert, dass der durchschnittliche Inhalt der abgefüllten Produkte mindestens der angegebenen Menge entspricht. Einzelne Flaschen dürfen leicht darüber oder darunter liegen, aber im Mittel muss die Menge stimmen und bestimmte Toleranzen dürfen nicht überschritten werden. " für die angezeigte Menge (die auf dem Etikett fehlt...). - 🔁
Blended and blended and bottled
– doppelt gemoppelt hält besser. Oder ist der tatsächlich zweimal geblendet? - 👬
Chefas Broters Ltd
– Brüder ohneh
. Hätten stattdessen lieber das coole "bro" nehmen sollen. - 📮
Distillers Keth AB55 5BS Egypt
– Eins der Highlights (für Eingeweihte): Sie haben Keith – die Heimat der Chivas Brothers-Brennerei Strathisla – falsch geschrieben, die tatsächliche Postleitzahl von Strathisla verwendet und zur Sicherheit noch einEgypt
angehängt. Genial.
Aber der absolute Höhepunkt: -
🔤 Der Fokus. Der Teil, der verrät, was tatsächlich in der Flasche ist:
WH SKY
!
Entweder ein neues Genre – oder das fehlendeI
ist der ehrlichste Teil des Etiketts.